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Inhalt:
Bachelor und Master - die wichtigsten Fragen zu den neuen Studienabschlüssen
- Warum die Umstellung
- Was zeichnet die neuen Studienabschlüsse aus?
- Was unterscheidet einen Bachelor-Studiengang von einem bisherigen Grundstudium?
- Welche Studienvoraussetzungen muss man erfüllen?
- Wer überprüft die Qualität der Studiengänge?
- Was, wenn ein Studiengang noch nicht akkreditiert ist?
- Was heißt Modularisierung?
- Wie funktioniert das Credit-System?
- Welche Abschlüsse gibt es?
- Gibt es zum Abschluss ein aussagekräftiges Zeugnis?
- Was ist ein Bachelor?
- Finde ich mit einem Bachelor einen Job?
- Kann ich nach dem Bachelor auf jeden Fall den Master machen?
- Was bedeutet der Master?
- Kann ich noch zwischen Diplom und Bachelor wechseln?
- Wie weit sind die Hochschulen mit der Umstellung?
- Wie lange wird es das Diplom noch geben?
- Weiterführende Materialien
Ob in Pisa, Oslo oder Berlin - Studienabschlüsse und im Ausland erbrachte Leistungen sollten europaweit vergleichbar sein. Das beschlossen 1998 Bildungspolitiker aus 29 Ländern in der italienischen Stadt Bologna. Mittlerweile haben 40 europäische Staaten das so genannte Bologna-Abkommen unterzeichnet. Sie verpflichten sich damit, bis 2010 das alte Studiensystem zugunsten des zweistufigen Bachelor-Master Systems abzuschaffen.
Der größte Unterschied auf den ersten Blick: Es geht schneller. Statt mindestens acht bis neun Semester bis zum ersten Abschluss studieren zu müssen, kann man den Bachelor meist schon nach sechs Semestern erreichen. Er soll eine solide Grundbildung für den Berufsstart vermitteln. Nur wer will, sattelt dann einen Master von weiteren vier bis sechs Semestern drauf. Man kann auch erst einmal arbeiten und den Master später nachholen. Auch Kombinationen werden möglich, zum Beispiel ein Bachelor in Ingenieurswissenschaften, gefolgt von einem Master of Business Administration. Nicht für jeden Bachelor- Studiengang gibt es allerdings einen Master. Und welcher Bachelor für welchen Master qualifiziert, sollte man ebenfalls vorher prüfen.
Formal gibt es zwei Unterschiede: Statt Scheine zu sammeln, häufen die Studenten Leistungspunkte, so genannte "Credits" an, und die Veranstaltungen werden zu Modulen gebündelt. Die straffere Studienstruktur schränkt die Wahlmöglichkeiten ein, viele Veranstaltungen sind vorgegeben. Doch das verschultere Studium bedeutet zugleich mehr Planbarkeit. Auch inhaltlich wird vieles anders. Bachelor-Studiengänge sollen praxisorientierter und stärker international ausgerichtet sein. Konkret heißt das: mehr Praktika und mehr Seminare zur Berufsorientierung, Vorlesungen in Fremdsprachen und Auslandsaufenthalte. Generell soll der Wechsel ins Ausland mit dem Bachelor einfacher sein. Das ist die Idee hinter dem "europaweiten Hochschulraum", der mit der Umstellung entstehen soll.
Für das Bachelor-Studium gelten die Zugangsvoraussetzungen, die auch jetzt schon für einen Studienstart geregelt sind. Für das Master-Studium ist mindestens ein erster Hochschulabschluss (Bachelor oder Diplom) erforderlich. Zudem muss der Bewerber weitere spezifische Leistungen oder Fähigkeiten nachweisen (lt. Master-Prüfungsordnung, z. B. besondere Noten in einschlägigen Fächern, Fremdsprachenkenntnisse, Praxiserfahrung).
Die Länder haben den Akkreditierungsrat gegründet. Der wiederum genehmigt so genannte Akkreditierungsagenturen, die jeden neuen Bachelor- und Master Studiengang prüfen: Wissenschaftler, Berufsvertreter und Studenten nehmen den Studiengang gemeinsam unter die Lupe, bevor er das Gütesiegel des Akkreditierungsrats erhält. Doch damit nicht genug. Die Wissenschaftsministerien genehmigen auch noch einmal.
Keine Akkreditierung heißt nicht automatisch schlechte Lernqualität, die Agenturen kommen bei dem Ansturm an Anträgen mit dem Prüfen nicht nach. Dass Studiengänge komplett abgelehnt werden, kommt so gut wie gar nicht vor, vielmehr werden die Curricula beim Prozess der Akkreditierung immer wieder überarbeitet. Und egal, ob geprüft oder nicht, am besten sollte man selbst genau hinschauen: Gibt es Kooperationen mit ausländischen Unis? Wie sieht es mit Praktika aus? Welchen Eindruck macht die Website oder die Broschüre? Die beste Lösung: selbst vorbeifahren und anschauen.
Unter der Modularisierung von Studiengängen versteht man die Zusammenfassung von Lehrveranstaltungen zu einer thematischen Einheit. Jedes Modul vermittelt bestimmte Kompetenzen. Die Inhalte eines Moduls erstrecken sich in der Regel über ein bis zwei Semester. Am Ende eines Moduls steht die Prüfung. Wer ein Modul geschafft hat, bekommt die entsprechenden "Credits".
Credits sollen mehr sein als nur ein neuer Name für Semesterwochenstunden. Das Prinzip dahinter kann den ganzen Studienverlauf verändern. Denn wer genug Leistungspunkte zusammen hat, soll auch den Abschluss haben, die Prüfung am Ende ist nicht mehr so wichtig. Das ist zumindest die Idee hinter dem System. Wie sie umgesetzt wird, liegt an den einzelnen Hochschulen. Die Punkte werden nach dem Aufwand der Studenten berechnet, ein Credit soll 30 Stunden Arbeit entsprechen.
Es gibt vier Abschlussarbeiten beim Bachelor und beim Master:
- Bachelor/Master of Science
(Fächergruppen Mathematik, Naturwissenschaften, Agrar-, Forst- und Ernährungswissenschaften)
- Bachelor/Master of Engineering
(Fächergruppe Ingenieurwissenschaften)
- Bachelor/Master of Arts
(Fächergruppen Wirtschaftswissenschaften, Sprach- und Kulturwissenschaften, Sport, Sportwissenschaft, Sozialwissenschaft, Kunst und Kunstwissenschaft)
- Bachelor/Master of Laws
(Fächergruppe Rechtswissenschaften).
Das europaweit abgestimmte Diploma Supplement gibt - neben dem Bachelor- oder Master-Zertifikat - Auskunft über das absolvierte Studium (Studienprogramm, Studieninhalte, Studienverlauf, Noten). Außerdem enthält es Informationen für Arbeitgeber oder Hochschulen über das erreichte Qualifikationslevel.
Der Bachelor ist ein erster berufsqualifizierender Hochschulabschluss nach drei bis max. vier Jahren. Die ersten Semester sind breit, Einzeldisziplinen übergreifend angelegt. Die fachspezifische Schwerpunktsetzung findet in den höheren Semestern statt. Größere Berufsbefähigung wird erreicht z.B. durch Vermittlung von Soft Skills. An den Bachelor-Abschluss kann sich ein Master-Studium anschließen.
Diese Frage wird heiß diskutiert. Eine Studie des Hochschulinformationsdienstes ergab, dass bisher nur ein Viertel der Bachelor- Absolventen direkt ins Berufsleben startet. Von diesen hatten neun Monate nach dem Abschluss über drei Viertel der Fachhochschul-Bachelor-Absolventen einen Job gefunden, bei den Uni-Bachelor-Absolventen war es nur ein Drittel. Als größte Schwierigkeit nannten die Absolventen, dass der Bachelor im Moment noch zu unbekannt sei, vor allem bei kleineren Unternehmen.
Dies kommt auf die Leistungen im Studium an. Da im Masterbereich weniger Studienplätze zur Verfügung stehen als im Bachelorbereich, ist davon auszugehen, dass nur jeder dritte Bachelor-Kandidat den Master machen kann.
Der Master führt nach ein bis zwei Jahren zu einem forschungs- oder anwendungsorientierten zweiten Hochschulabschluss. Ein Master-Studiengang kann ein bestimmtes Bachelor-Programm fachlich fortführen und die wissenschaftliche Qualifikation vertiefen ("konsekutiver Master"). Nicht-konsekutive und weiterbildende Masterprogramme sind in der Regel anwendungsorientiert und richten sich gezielt an Interessenten aus dem Berufsleben, die bereits einen ersten Hochschulabschluss haben.
Eigentlich nicht, die beiden Studiengänge sollen nicht parallel laufen. An manchen Hochschulen sitzen Bachelor- und Diplomstudierende noch gemeinsam in Vorlesungen und können wechseln. Doch je mehr umgestellt wird, desto unwahrscheinlicher wird so ein Wechsel. Entscheiden sollte man sich am besten vorher.
Mittlerweile gibt es 2.500 gestufte Studiengänge, viermal so viel wie noch 2001. Der Akkreditierungsrat hat allerdings erst 343 Bachelor- und 432 Master-Studiengänge geprüft und angemeldet. Unter www.akkreditierungsrat.de lassen sie sich, nach Bundesländern aufgeschlüsselt, ganz genau nachschlagen.
An der Hochschule Bremerhaven sind bereits alle Studiengänge auf das Bachelor-Master-System umgestellt. Die Diplomstudiengänge nehmen keine neuen Erstsemester mehr auf. Es werden momentan 18 Bachelor- und sechs Masterstudiengängen angeboten.
2010 soll es in Deutschland nur noch Bachelor und Master geben, das Diplom und der Magister sind Auslaufmodelle.
